Welkes Laub
- Rosa Noctis Poetica
- 23. Juli
- 1 Min. Lesezeit

Die müde Sonne sinkt ins fahle Ried,
wo Nebel aus den kalten Wassern steigen,
es verstummt der Vögel letztes Lied,
und in den Kronen wohnt ein tiefes Schweigen.
Wie welkes Laub, das von den Zweigen bricht
und klanglos in den schwarzen Spiegel gleitet,
so löscht in uns das letzte Hoffnungslicht,
das uns den Weg durch dunkle Stunden deutet.
Oh Einsamkeit. Du bist des Todes Braut,
im Windhauch spür’ ich deines Kleides Rauschen,
wenn meine Seele, kaum noch selbst vertraut,
verlernt hat, auf des Lebens Ruf zu lauschen.
Was wir geliebt, was wir im Geist erbaut,
es modert hin im Frost der Ewigkeit,
und wer zu tief in jene Fluten schaut,
erkennt das Antlitz der Vergänglichkeit.